All inclusive?

Tourismus-Tagung der europäischen Grünen in Meran

Die europäischen Grünen haben Meran als Austragungsort einer internationalen Tagung zum Tourismus gewählt und diese in Zusammenarbeit mit den Südtiroler Grünen organisiert. Bürgermeister und Parlamentsabgeordnete,  VertreterInnen verschiedener Organisationen und ExpertInnen aus fast einem Dutzend Länder oder Regionen haben an drei Tagen zu diesem Querschnittsthema, wie Hans Heiss es nannte, einen interessanten Gedankenaustausch geführt.

Der Film „Das Venedig Prinzip“ von Andreas Pichler am Freitag 23. Juni, die Tagung am 24. Juni im Pavillon des fleurs und die Besichtigung des Touriseums am 25. Juni haben allen nachdrücklich vor Augen geführt, dass der Toursimus mittlerweile alle Bereiche des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens durchdringt und daher eine umfassende und differenzierte Antwort auf die vielen Fragen seiner Entwicklung erfordert.

Der Tourismus wird in Regionen wie Nord- und Südtirol oder in Venedig als tragende Wirtschaftssäule und als Quelle von Wohlstand, aber teilweise auch als Element der Belastung von Natur und Umwelt wahrgenommen. Die Zahlen, die Thomas Aichner für Südtirol genannt hat, zeigen dies sehr deutlich: 31 Millionen Übernachtungen von ca. 7 Millionen Touristen jährlich, die in 10.000 Betrieben mit  219.000 Betten täglich an die 120 € ausgeben. Noch höhere Werte erzielen Nordtirol und Venedig, so dass sich für alle diese Gebiete neben den Herausforderungen einer harmonischen und nachhaltigen Entwicklung auch die Frage nach den Grenzen des Wachstums stellt. Die Zahlen, die Silvia Simoni zum Verkehr auf den Dolomitenpässen angeführt hat (z.B. überqueren im August stündlich ca. 5.500 Autos den Karerpass!) zeigen dringenden Handlungsbedarf, wenn Umwelt und Tourismus hier eine Zukunft haben sollen.

Bürgermeister Paul Rösch hat die Problematik auf die griffige Formel gebracht: Wir sollen uns für einen Tourismus stark machen, der von der ganzen Bevölkerung mitgetragen werden kann. Und das gelingt nur, wenn die Infrastrukturen, das kulturelle und kulinarische Angebot und die Freizeitaktivitäten von Touristen und Einheimischen gleichermaßen genutzt und geschätzt werden. Dabei gelte es, verstärkt „grüne“ Anliegen wie sanfte Mobilität, Gesundheit und Völkerverbindung zu fördern.

Für Regionen in Griechenland oder Bulgarien, die nicht am Meer liegen, stellt der Tourismus hingegen noch eine Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung dar, der Abwanderung und (Jugend-)Arbeitslosigkeit vermindern kann.

Wir Grüne sind also gefordert, auf die vielen Fragen, die der Tourismus als Teil der Globalisierung aufwirft, auf vielfältige und kreative Weise Antworten zu geben. Die Tagung in Meran war ein gutes Beispiel, dass ein Grenz übergreifender und unvoreingenommener Austausch die Voraussetzung für langfristig tragbare und ökologisch vertretbare Entwicklungen ist.

Toni Ladurner

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