MASTERPLAN – planen wir die Zukunft Merans

Meran StadtwappenDie Grünen Merans unterbreiten den Beauftragten zur Erstellung des Masterplans folgende Vorschläge.

Raumordnung und Landschaftsschutz

Siedlungsstruktur:

Es ist eine kompakte Siedlungsstruktur anzustreben, die sich klar von der unverbauten Umgebung abgrenzt. Neue Umwidmungen von landwirtschaftlichem Grün zu Bauzwecken ist zu vermeiden, erste Priorität ist die Nutzung bereits bestehender Bausubstanz (zum Beipiel Böhler, König Laurin, Präfektur), bzw. der vielen leerstehenden Wohnungen und der vielen schlecht oder nicht genutzten Gewerbehallen.

Zu den Wohnzonen: Maßnahmen gegen die vielen leerstehenden Wohnungen sind zu ergreifen; Sanierungen zu fördern. Insgesamt ist die Infrastruktur bei Wohnzonen besser zu berücksichtigen: Verkehr, Grünflächen, Kinderspielplätze, Kindergärten, Strukturen für Alte, Nahversorgung. Dies gilt vor allem in den Zonen mit hoher Baudichte (zum Beispiel Neubauviertel in der Lazag und in der Alpinistraße). Alle Wohnzonen sind ausnahmslos mit bedarfsorientiertem Taktverkehr an das öffentliche Verkehrsnetz anzuschließen. Das gilt selbstverständlich auch für den Schülertransport. Besonderes Augenmerk soll einem gepflegten Fußgängernetz (Öffnung alter Durchgänge, Waalwege) durch die gesamte Stadt gelten. Straßen mit Autoverkehr sind durchgehend mit einem sicheren Gehsteig zu versehen, der so zu bemessen ist, dass ein Kinderwagen passieren kann. Siehe dazu die Anlage 1: „Gemeinsam planen wir Meran“.
In Straßen ohne Durchzugsverkehr sollen verkehrsberuhigte Wohnstraßen errichtet werden.

Gewerbegebiete: zumal bereits Raum ungenutzt zur Verfügung steht, sollen keine neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden. Bei der Zuweisung von Gewerbegrund an die Betriebe ist darauf zu achten, dass sich unter den angesiedelten Betrieben Synergien ergeben (zum Beispiel die Nutzung von Abwärme, Zulieferung bzw. Abtransport, gemeinsame Dienstleistungen, wie Mensa, Kinderhorte, gemeinsam genützte Grünflächen u.ä.). Generell, aber vor allem in Gewerbegebieten ist eine weitere Ver­siegelung des Bodens zu verhindern.
Kleinere Gewerbegebiete, die sich in der Innenstadt befinden (zum Beispiel Marinello, Torggler chimica) sind in Gewerbegebiete an den Stadträndern auszusiedeln, die frei gewordenen Zonen sind aufzuwerten.

Bei der Ausweisung neuer touristischer Zonen ist die touristische Entwicklung des Umfeldes (zum Beispiel Dorf Tirol, Schenna, Lana, Marling, Algund) mit zu berücksichtigen, die im Tourismuskonzept der Gemeinde keine Berücksichtigung gefunden hat. Aus diesen Gründen bezweifeln wir die Notwendigkeit, in Meran bis zum Jahre 2022 weitere 1.200 neue Gästebetten zu errichten. Verwunderlich ist auch das im Tourismuskonzept enthaltene Verbot der Errichtung neuer Campingplätze in Meran. Neuausweisungen von Tourismuszonen im landwirtschaftlichen Grün sind zu vermeiden (Zersiedelung und zusätzliches Verkehrsaufkommen).

Neue Einkaufszentren an den Stadträndern sind strikt abzulehnen. Sie gefährden die innerstädtische Nahversorgung und erzeugen motorisierten Verkehr.

Ortsbilderhaltung:

Meran lebt von der Qualität seiner historischen Bausubstanz: diese ist zu schützen, indem die Schutzbestimmungen (Ensemble- und Denkmalschutz) kontinuierlich überarbeitet, verbessert und ausgedehnt werden. Die Qualität der Neubauten ist zu fördern: dies geht einerseits durch die Einsetzung des Gestaltungsbeirates, anderseits durch die Förderung der öffentlichen Diskussion über Bauprojekte. Projekte einer gewissen Größe bzw. an ortsbildprägenden Stellen sollen vor ihrer Genehmigung verpflichtend der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Neue Wohnmodelle für Senioren:

Meran weist einen überdurchschnittlich hohen Prozentsatz an Senioren auf (siehe Sozialplan). Diese Entwicklung wird in Zukunft zunehmen. Deshalb braucht es eine ausreichende Anzahl an Unterkunftsmöglichkeiten für Senioren, in denen sie abhängig vom Gesundheitszustand möglichst selbstbestimmt wohnen können. Wesentlich ist ihre Einbettung in das soziale Umfeld, um Kontakte pflegen zu können. Die Strukturen sollen eher klein dimensioniert sein, um Seniorenghettos zu verhindern. Zu den traditionellen Betreuungseinrichtungen sollen Alternativmöglichkeiten angeboten werden: wir denken zum Beispiel an Wohngemeinschaften für Ältere Leute und an das generationsübergreifende Wohnen (Co-housing).

Kontakte zwischen den Sprachgruppen und mit den neuen Bürgern:

Zur Verbesserung und Intensivierung des Zusammenlebens unter den Bürgern Merans braucht es Treffpunkte, an denen Kontakte geknüpft werden können. Dies gilt für die Jugend vor allem im Schulbereich: durch gemeinsame Schulstrukturen soll den jungen Leuten die Möglichkeit gegeben werden, sich mit der anderssprachigen Jugend zu treffen und auszutauschen. Auch die Schaf­fung sogenannter interkultureller Gärten könnte diesem Zweck dienen.

Landschaftsschutz:

Meran verfügt (noch) über einen reichen Baumbestand, der zum Großteil um 1900 angelegt wurde. Es braucht ein Programm, das die regelmäßige Ersetzung jener Bäume festlegt, die die Altersgrenze erreichen. Zudem sind zusätzlich zu den Promenaden- und Parkanlagen auch natürliche Freiflächen für Mensch und Tier vorzusehen (zum Beispiel in der vor vielen Jahren geplanten Erweiterung der Naherholungszone Lazag). Meran verfügt, großteils aus der Vergangenheit, über schöne Alleen. Diese Kultur ist fortzusetzen (siehe dazu Landschaftsleitbild von „Gemeinsam planen wir Meran“).

Die privaten Gärten, vor allem auch in Zusammenhang mit kunsthistorisch bedeutsamen Villen, prägen unsere Stadt. Sie gilt es zu schützen. Um die reiche Vegetation zu erhalten, ist der Pflichtanteil von tiefgründigem Grün zu erhöhen.

Generell ist bei jedem Projekt (Wohnungen, Straßen) das Grün in die Planung mit einzubeziehen. Meran ist „umzingelt“ von intensiv angelegtem Obstbau, mit all seinen Auswirkungen. Zum Schutze der Bewohner ist eine Minderung des Einsatzes von Pestiziden anzustreben. Zum Erhalt der Artenvielfalt ist auf den Bestand von Nist- und Brutstätten für Tiere zu achten (zum Beispiel Erhalt von offenen Waalen, Sträucher und Weiden in intensiven Obstkulturen).

Verkehr

Die Kleinstadt Meran ist für gesunde Menschen leicht zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad zu „bewältigen“. Diese Art der Fortbewegung ist zu fördern und bei jeder Planung mitzudenken (siehe dazu Anlage 2: Vorschläge eines durchgehenden Fahrradwege-Netzes, auf der Basis der Studie des Ökoinstitutes BZ). Weitere politische Priorität ist eine Reduzierung des Autoverkehrs durch massive Steigerung der Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel: Diese müssen alle Stadtviertel effizient und pünktlich bedienen, die Haltestellen müssen leicht und bequem erreichbar sein. Zur Beschränkung der Umwelt- und Lärmbelastung vor allem im Innenstadtbereich sollen vorzüglich Elektro- oder Hybridbusse zum Einsatz kommen. Alle Haltestellen sind mit überdachten Wartehäuschen zu versehen (ein Vorschlag zum Studieren: um Wartende vor Wasserspritzern und Abgasen besser zu schützen, könnten sie gegen die Fahrbahn hin abgeschlossen werden) und mit beleuchteten Fahrplänen auszustatten.

Die Warenbelieferung der Innenstadt ist dringend neu zu gestalten. Derzeit werden die einzelnen Waren zu den einzelnen Läden mit Autos und Kleinlastern zu bestimmten Zeiten getrennt angeliefert. Das regelmäßige Verkehrschaos ließe sich durch eine koordinierte gemeinsame Anlieferung der Waren mit elek­trobetriebenen Fahrzeugen vermeiden (urbane Warenlogi­stik). Dazu braucht es eine Sammelstelle für die Waren (eventuell in der Bosinzone).

Nordwestumfahrung:

Das erste Baulos ist fertig gestellt. Es soll als Umfahrungsstraße der Stadt den innerstädtischen Verkehr entlasten und das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel fördern. Damit es seinen Zeck voll erfüllt, braucht es dringend die große unterirdische Tiefgarage am Bahnhof, um das Umsteigen vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu ermöglichen. Vor der Entscheidung über den Bau des 2. Bauloses (veranschlagte 161 Mio. Euro für 2,7 km!) sind alle Maßnahmen zu setzen, die die Eurac-Studie vorsieht.

Weitere Maßnahmen:

Eine Reihe von Maßnahmen, die der Verkehrsplan vorsieht, sind bislang nicht verwirklicht. Unter anderem ist vorgesehen, dass nach Fertigstellung des 1. Bauloses der Nordwest-Umfahrung der Rennweg und die gesamte Zone zwischen Alpinistraße und Rennweg verkehrsberuhigt wird. Dies ist endlich umzusetzen.

Weitere Möglichkeiten der alternativen Mobilität:

Wie lässt sich der Großteil des touristischen Zielverkehrs aus den umliegenden Tourismushochburgen, wie Dorf Tirol und Schenna, aber auch aus dem Passeiertal durch öffentliche Verkehrsmittel auffangen und dadurch die Zufahrtswege von Meran merklich entlasten?

Ein realistischer Vorschlag, der in kurzer Zeit verwirklicht werden könnte: Durch einen 1.300 Meter kurzen Durchstich durch den Küchelberg soll die Innenstadt mit dem Ex-Pulverlager auf der Tiroler Seite in der Lazag durch ein schienengebundenes Verkehrsmittel verbunden werden, um von dort aus Schenna durch eine Seilbahn bzw. Dorf Tirol durch einen Dauershuttledienst zu verbinden. Selbstverständlich muss beim Pulverlager auch ein Parkplatz zur Verfügung stehen.

Kasernenareal in Untermais

Die einmalige Chance, über ein unverbautes großes Areal in der Stadt verfügen zu können, ist zu nutzen: die Grünen fordern mit Nachdruck, dass die Entscheidung über die Nutzung von den Bürgern Merans in partezipativer Form nach klar festgelegten Regeln der Bürgerbeteiligung gefällt wird: Die Mitwirkung der Bürger ist unerlässlich, zumal große wirtschaftliche Interessen im Spiel sind. Die Mitbestimmung steigert die Qualität der Entscheidung und verhindert Ergebnisse, die nicht im Interesse der Gesamtheit der Meraner sind.

Wir Grüne wünschen uns, dass ein Großteil dieses Areals unverbaut bleibt bzw. dem Bedarf nachfolgender Generationen vorbehalten bleibt. Das Areal könnte ohne große Bauwerke einem Treffpunkt für Jugendliche dienen, bzw. für einen „grünen“ Campingplatz mit ausreichendem Raum dienen. Auch ein Badesee für Einheimische und Gäste wäre wünschenswert und würde eine zukünftige Entwicklung nicht präjudizieren.

Pferderennplatz

Erste Priorität für uns ist, dass der Pferderennplatz als ganzes als Grünfläche erhalten bleibt. Auch die kunsthistorisch wertvollen Bauten sind zu erhalten und behutsam zu renovieren. Das gesamte Areal ist durch eine vielseitige Nutzung für die MeranerInnen aufzuwerten.

 

Meran, den 24.04.2014

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